Hier finden Sie eine Auswahl häufig gestellter Fragen rund um das Thema MPU:
Diese Liste ist noch ausbaufähig. Wenn Sie Fragen zur MPU haben, die auch für andere Betroffene interessant sein könnten, möchte ich Sie bitten, mir diese Frage einfach per eMail zu schicken (Betreff: FAQ zur MPU). Ich nehme sie dann gerne in den Fragenkatalog auf.
Hier wird ein Gutachten über Ihre Kraftfahreignung erstellt.
Dazu werden Sie körperlich und psychologisch untersucht. Es werden verschiedene Tests mit Ihnen gemacht, auch werden alle aktenkundigen Verkehrsauffälligkeiten zur Untersuchung herangezogen und Sie werden persönlich befragt.
Die Gutachter wollen herausfinden, ob die Ursachen für die Eignungsmängel, die bei Ihnen gesetzlich festgestellt wurden, fortbestehen oder nicht.
Die Begutachtung bei der MPU ist eine umfangreiche Prozedur. Sie müssen nicht nur die Tests bestehen. Sie werden außerdem in einem psychologischen Gespräch beurteilt.
Bei Alkohol am Steuer geht es um die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie erneut alkoholisiert fahren werden. Außerdem soll festgestellt werden, ob bei Ihnen Alkoholbedingte Beeinträchtigungen vorliegen, die ein sicheres Fahren in Frage stellen.
In der Regel wird bei einem Promillewert über 1,6 eine überdurchschnittliche Alkoholgewöhnung zu Grunde gelegt. Es wird angenommen, dass sich Ihr Körper bereits an große Alkoholmengen gewöhnt hatte und dass Sie somit kleine Alkoholmengen gar nicht mehr spüren konnten. Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass Sie ein Trinkverhalten entwickelt hatten, das zu weiteren Alkoholfahrten führen wird, falls Sie es zwischenzeitlich nicht grundsätzlich verändert haben.
Sie müssen die Gutachter davon überzeugen, dass Sie sich mit Ihrem früheren Trinkverhalten und mit den Ursachen dafür auseinandergesetzt haben, dass Sie eine Einsicht entwickelt haben und dass sich Ihr Trinkverhalten entsprechend verändert hat. Zu diesem Thema werden Sie umfassend befragt. Es geht also keineswegs nur um den Tatbestand, dass Sie mit Alkohol am Steuer aufgefallen sind. Es geht um die Ursachen dafür. Dabei geht es nicht um äußere Probleme wie Trennungen oder Verluste, sondern darum, wie Sie in der Vergangenheit auf problematische Situationen reagiert haben und wie Sie heute darauf reagieren. (s. “Was bedeutet Problembewusstsein,“Was bedeutet Verhaltensänderung”? )
Nur wenn Sie die Gutachter davon überzeugen können, dass Sie gelernt haben, anders als bisher mit bestimmten Dingen umzugehen und Sie den Alkohol nicht mehr als "Helfer" benötigen, gehen die Gutachter davon aus, dass die Änderung Ihres Trinkverhaltens stabil ist und dass somit eine nachhaltige Verhaltensänderung im Straßenverkehr wahrscheinlich ist.
Wenn dann außerdem noch Ihre übrigen Untersuchungsergebnisse in Ordnung sind, ist Ihr Gutachten positiv.
Das hört sich alles sehr kompliziert an. Kurz: Für eine positive Beurteilung reicht es nicht aus, dass Sie jetzt nichts mehr trinken und es geht auch nicht nur um die Leberwerte.
Positiv. Das bedeutet, dass die Eignungsmängel, die bei Ihnen festgestellt wurden, behoben sind und Sie Ihren Führerschein zurück erhalten werden.
Negativ. In diesem Fall erhalten Sie Ihren Führerschein vorerst nicht zurück. Für die Wiedererteilung müssen Sie erneut zur MPU. Erst wenn das Ergebnis positiv ist, erhalten Sie Ihren Führerschein wieder.
Negativ mit Kursempfehlung. In diesem Fall erhalten Sie von der Untersuchungsstelle die Empfehlung, einen Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung zu absolvieren. Nachdem Sie den Kurs erfolgreich absolviert haben, erhalten Sie Ihren Führerschein zurück. Sollten Sie diesen Kurs nicht absolvieren, verhält es sich so wie bei dem negativen Ergebnis.
Welche Begutachtungsstellen gibt es, welche sind staatlich, welche privat?
Anerkannte Begutachtungsstellen gibt es bei (Reihenfolge alphabetisch geordnet; Stand Juni 2007.)
der Akademie Sicherheit und Verkehr GmbH,
der AVUS Gesellschaft für Arbeits- Verkehrs- und Umweltsicherheit,
der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH,
der DEKRA e.V.,
dem IAS Institut für Arbeits-und Sozialhygiene Stiftung,
dem IBBK Institut für Beratung - Begutachtung - Kraftfahrereignung GmbH,
dem Klinikum Bremen-Mitte gGmbH,
der MPU GmbH (gehört zum TÜV SÜD AG),
der MTO Fahreignung GmbH,
der PIMA Privates Institut für mobile Arbeitsmedizin (gehört zum TÜV Süd AG),
dem PIN GmbH Beratungs- und Diagnosezentrum für Beruf und Verkehr,
der ProSecur GmbH,
dem TÜV (TÜV-Nord AG, TÜV-Süd AG, TÜV Nord Mobilität GmbH und Co KG, TÜV Pfalz Verkehrswesen GmbH, TÜV Rheinland Kraftfahrt GmbH, TÜV Süd Life Service GmbH, TÜV Hessen GmbH, TÜV Thüringen e.V.),
dem Universitätsklinikum Heidelberg - Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin,
dem VPI Verkehrspsychologisches Institut GmbH.
Alle genannten Institutionen sind privat! Staatliche Begutachtungsstellen gibt es nicht. Der TÜV war in der Vergangenheit staatlich, aber das ist schon sehr lange her.
Ist es möglich, die MPU ohne Vorbereitung zu bestehen?
Unwahrscheinlich. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel. In der Regel verhält es sich so, dass Sie ohne Vorbereitung im günstigsten Fall ein negatives Ergebnis mit Kursempfehlung erhalten werden (siehe unter Welche MPU-Ergebnisse gibt es? ).
Welche Vorbereitungsmöglichkeiten gibt es und welche sind sinnvoll?
Möglichkeiten zur MPU-Vorbereitung gibt es inzwischen viele. Neben verschiedenen Anbietern gibt es Bücher, Onlineseminare, Selbsthilfegruppen und Internetforen. Da ist es gar nicht so leicht heraus zu finden, welche Vorbereitung nun wirklich sinnvoll, seriös und Erfolgsversprechend ist.
Generell lässt sich sagen, dass Vorbereitungsangebote in Form von Einzelgesprächen, die von niedergelassenen Diplom-Psychologen mit dem Fachgebiet Verkehrspsychologie angeboten werden, sinnvoll, seriös und Erfolgsversprechend sind. Dies ist die effektivste Form der Vorbereitung. Denn nur in Einzelgesprächen ist es möglich, fachgerecht, intensiv und individuell zugleich auf den einzelnen Menschen, seine jeweilige Situation und Vorgeschichte einzugehen. So kann die entsprechende Hilfestellung gezielt und effektiv gegeben werden. Je nach Vorgeschichte und individueller Persönlichkeit wird die Vorbereitung einen kürzeren, oder etwas längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Diesbezüglich ist es sinnvoll auf den Rat Ihres Verkehrspsychologen zu hören. Denn zum Bestehen der MPU gehört weit mehr als nur eine Bescheinigung mit der Anzahl der Stunden. Es geht um die Inhalte und darum, ob Sie so weit sind, den Anforderungen der psychologischen Gutachter zu genügen. Sollte Ihr Psychologe der Meinung sein, dass Sie noch nicht so weit sind, ist es sinnvoll, ein paar Stunden zu verlängern, dafür aber die MPU zu bestehen. Meist ist die Gesamtdauer einer individuellen Vorbereitung auf den ersten Blick etwas länger als eine Kurs- oder Gruppenvorbereitung. Aber dafür effektiver. Diese Form der Vorbereitung dient dem Bestehen der MPU im ersten Anlauf und ist somit insgesamt gesehen Zeit (und Geld) sparender. Darüber hinaus trägt sie maßgeblich zu dem dauerhaften Behalt Ihres Führerscheins bei.
Wenn es um Alkohol geht, kann es sehr sinnvoll sein, zusätzlich eine Selbsthilfegruppe zu besuchen.
Ob der alleinige Besuch einer Selbsthilfegruppe ausreichend ist, kann pauschal schwer gesagt werden. Häufig ist es das nicht, da sich in den Gruppen fast alles ausschließlich um das Thema Abstinenz dreht. Das ist, je nach Höhe des Promillewertes und der entsprechenden Alkoholgewöhnung, auch ein sehr wichtiger Punkt. Zum Bestehen der MPU reicht das alleinige praktizieren der Alkoholabstinenz jedoch nicht aus. Denn hier geht es zusätzlich um die Be- und Verarbeitung der Hintergrundproblematik (warum in der Vergangenheit so viel Alkohol getrunken?) und um eine veränderte Umgehensweise mit dem Problem (Verhaltensänderung).
Wenn es um Drogen geht, gilt im Prinzip das gleiche für die Drogenberatung. Zusätzlich sinnvoll, aber um die MPU zu bestehen, ist sie oft nicht ausreichend.
Vorbereitungsangebote in Form von Wochenkursen, die (oft bei den Instituten, die auch begutachten) von Verkehrspsychologen abgehalten werden, sind in der Regel seriös und können durchaus sinnvoll und Erfolg versprechend sein. Müssen es aber nicht. Ob der Besuch eines solchen, relativ kurz dauernden Kurses zum Bestehen der MPU ausreicht, kann pauschal nicht gesagt werden, das hängt von mehreren, verschiedenen Faktoren ab. Eine maßgebliche Rolle spielt bei der Begutachtung Ihre Vorgeschichte (z.B. Häufigkeit und Schwere der Verkehrsauffälligkeiten, Unfallflucht, Höhe des/der Promillewerte/s, Ausmaß des Drogenkonsums, erstmalige oder wiederholte MPU ..... ). Ein weiterer Faktor ist der Stand Ihrer individuellen Problemeinsicht und -bearbeitung. Ein zusätzlicher, wichtiger Faktor ist der Stand Ihrer (stabilen oder noch ausbaufähigen) Verhaltensänderung (s. hierzu Problembewusstsein und Verhaltensänderung). Je nach Vorgeschichte, Stand des Problembewusstseins und der Verhaltensänderung reicht der alleinige Besuch eines solchen Kurses manchmal aus, häufig aber auch nicht. Falls nicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Sie erhalten ein negatives Gutachten mit einer weiteren Kursempfehlung (Kurs zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung) und müssen nach Kursbesuch nicht noch einmal zur MPU, oder Sie erhalten ein (komplett) negatives Gutachten ohne Kursempfehlung, aber häufig mit dem Rat, professionelle Hilfe bei einem niedergelassenen Verkehrspsychologen einzuholen. Danach müssen Sie erneut zur MPU.
Generell lässt sich sagen, dass eine alleinige Vorbereitung anhand von Büchern oder Internetangeboten kaum Erfolgsversprechend ist.
Als zusätzliches Hilfsmittel oder zur allgemeinen Information kann es aber durchaus sinnvoll sein, beispielsweise einmal in ein Buch zu schauen.
Ebenfalls können manche Internetforen hilfreich sein, um sich einen allgemeinen Überblick zu verschaffen.
Vorbereitungsangebote von Anbietern, die mit Garantien werben, können vielleicht tatsächlich Erfolg versprechend sein. Wer weiß? Hier geht es in der Regel um das “Trimmen” auf das psychologische Gespräch. Das mag verlockend klingen, aber ist das wirklich sinnvoll? Das mag jeder für sich selbst entscheiden.
Vorbereitungsangebote via Internet können allenfalls der allgemeinen Information dienen, jedoch keinesfalls mit einer persönlichen Vorbereitung gleichgesetzt werden.
Gibt es eine Garantie, dass ich die MPU nach einer Vorbereitung bestehe?
Nicht von seriösen Anbietern - und dazu zähle ich auch mich -.
Wer Ihnen eine Garantie verspricht, hat es vor allem auf Ihr Geld abgesehen. Schauen Sie, niemand steckt in einem anderen Menschen drin und auch Psychologen haben keine Röntgenaugen. Außerdem geht nicht der Psychologe für Sie zu der Begutachtung, sondern Sie selbst. Der andere Punkt ist, dass es auch auf Sie selbst ankommt, wie Sie von einer MPU-Vorbereitung oder Verkehrstherapie profitieren. So ganz ohne die Bereitschaft einmal über sich nachzudenken, funktioniert es nicht.
Was ich Ihnen mit gutem Gewissen sagen kann, ist, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die MPU nach einer fachlich fundierten Vorbereitung bei einem Verkehrspsychologen bestehen, sehr groß ist. Aber eine Hundertprozentige Sicherheit gibt es eben nicht. Jetzt mal ehrlich, können Sie mir sagen wo es die gibt?
Genau genommen, gar keine. Was MPU-Vorbereitungen betrifft, gibt es keine offizielle Anerkennung. Aber: Die Gutachter werten die Art der Vorbereitung unterschiedlich. Wenn Sie die Vorbereitung bei einem Verkehrspsychologen oder Psychologen mit dem Fachgebiet Verkehrspsychologie machen, wird das bei der MPU positiver bewertet - und ist, wenn Sie so wollen, inoffiziell anerkannter - als wenn Sie die Vorbereitung bei jemandem machen, der nicht auf die Verkehrspsychologie spezialisiert ist. Das hat den Grund, dass die Gutachter, aufgrund der Bescheinigung, wissen, dass Sie bei einem seriösen Fachmann, bzw. einer Fachfrau waren, die mit Ihnen genau die Themen bearbeitet hat, auf die es ankommt.
Kann ich mir die Gutachter irgendwie gewogen machen?
Nein! Ein Gutachter muss unvoreingenommen, objektiv und unbestechlich sein. Unabhängig davon, wo Sie sich begutachten lassen, stützen sich die Gutachter auf anerkannte wissenschaftliche Grundsätze. Dazu werden statistische Forschungsergebnisse, Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Regelungen herangezogen. Ausschließlich diese Daten dienen den Gutachtern als Grundlage für die Untersuchung. Voraussetzungen für eine günstige Prognose werden aus dieser Datenkombination in Verbindung mit den Daten aus Ihrer Akte (von der Verkehrsbehörde) abgeleitet. Für eine günstige Prognose ist es in der Regel immer erforderlich, dass eine bestimmte Verhaltensänderung stattgefunden hat, dass diese Änderung stabil ist und dass sie aus einem persönlichen Problembewusstsein heraus vorgenommen wurde. Das ist der Kern der psychologischen Begutachtung. Dazu werden Sie befragt.
Das bedeutet zum einen, dass Sie sich selbst in Bezug auf die Ursachen Ihrer Verkehrsauffälligkeit(en) kritisch hinterfragt haben, dass Sie sich beispielsweise kritisch mit Ihrem Alkoholtrinkverhalten oder Drogenkonsum oder Ihrem Fahrverhalten (bei Punkten) auseinander gesetzt haben. Zum anderen bedeutet es, dass Sie zu dem Schluss gelangt sind, dass die Gründe der jeweils problematischen Verhaltensweise in Ihrer eigenen Person liegen und dass Sie diesbezüglich einen Änderungsbedarf sehen.
Hierzu ein Beispiel: Angenommen Jim ist mit 2,3 Promille im Straßenverkehr aufgefallen. Eine Ursache seiner Verkehrsauffälligkeit war also, dass er betrunken gefahren ist. Das ist aber erst der Anfang.
Die nächste Frage, die sich Jim stellt, ist:“Warum habe ich mein Auto nicht stehen lassen, sondern bin betrunken gefahren”?
Das hat mehr organische als psychologische Gründe. Es ist nämlich so, dass ein hoher Alkoholspiegel im Blut unser Gehirn stark beeinflusst. Sehr vereinfacht ausgedrückt sieht das so aus: Das Zentrum, in dem der Verstand, die Logik, Regeln und Normen angesiedelt sind, wird - je nach Alkoholmenge und -gewöhnung - lahm gelegt oder ganz ausgeschaltet. Dafür lebt sich das Zentrum, in dem die Gefühle, Triebe und Bedürfnisse liegen, nach Herzenslust aus. Jim konnte also nicht mehr klar denken. Er hat sich überschätzt, war der Auffassung, dass alles schon irgendwie geht und letztlich war es ihm einfach auch egal, ob etwas - was nun auch immer - passiert. Das ist die Alkoholwirkung auf unser Gehirn.
Jims nächste Frage ist nun: “Warum habe ich so viel Alkohol getrunken”? Angenommen er war auf einer Geburtstagsfeier. Er sagt sich also, ich habe halt gefeiert, war betrunken und konnte nicht mehr klar denken.
Jetzt fragt sich Jim aber weiter: “Wieviel Alkohol habe ich denn nun tatsächlich auf der Geburtstagsfeier getrunken”? Das kann man ausrechnen (s. Formel bei Frage: “Kann man das anhand des Promillewerts nachvollziehen wieviel Alkohol ich am Tag meiner Alkoholauffälligkeit getrunken habe? ). Ein paar “Bierchen” und vielleicht 2 Schnäpse kann nicht stimmen. Angenommen Jim war etwa 5 Stunden auf der Feier. Dann hat er, bei 2,3 Promille, in etwa 220 g Alkohol getrunken. Das entspricht einer Menge von beispielsweise 10 Bier à 0,2 l und zusätzlich 25 Schnäpsen ( mit 35 Vol %) à 2 cl. Und weiter geht´s.
Eine entscheidende Frage von Jim ist nun: “Trinke ich denn eigentlich oft so viel Alkohol”? Falls nicht, wie kommt es dann, dass ich so viel Alkohol vertragen konnte, einen solch hohen Promillewert erreichen konnte und damit sogar noch in der Lage war, Auto zu fahren? Das geht nämlich nicht, wenn der Jim sonst nur selten und wenig Alkohol trinkt. Das funktioniert nur wenn Jim vorher über eine längere Zeit ordentlich trainiert hat. Das heißt, dass er an den Alkohol gewöhnt ist, also - in Anbetracht von 2,3 Promille - regelmäßig in großen Mengen Alkohol trinkt, bzw. getrunken hat. Davon gehen die Gutachter aus. Jetzt geht es aber weiter.
Jim fragt sich ernsthaft: “Seit wann ist es denn zu der hohen Alkoholgewöhnung gekommen und warum habe ich überhaupt so viel Alkohol getrunken”? Er kam zu dem Schluss, dass er vor ca. fünf Jahren begonnen hat, vermehrt Alkohol zu trinken. Damals ging das mit dem Stellenabbau in seiner Firma los. Er hatte große Angst, selbst davon betroffen zu sein. Schließlich war er 52 Jahre alt. Wo sollte er eine neue Stelle finden? Aber er hatte auch Angst davor, auf einmal als Versager dazustehen. Diese Befürchtung konnte er noch gar nicht so genau begründen, aber sie war da und zwar stark.
Er fing damals damit an, häufiger Überstunden zu machen, manchmal ging er sogar Samstags in die Firma. Freizeitausgleich nahm er selbstverständlich nicht und seinen (beträchtlichen) Resturlaub ließ er verfallen. Jim war schon immer ein Perfektionist, aber jetzt wollte er erstrecht zeigen, dass er weit mehr als gut und zuverlässig arbeitet. Für seine Familie hatte er immer weniger Zeit und Freizeit wurde ein Fremdwort für ihn. Seine Sorgen behielt er für sich. Jim war der Meinung, dass ein “richtiger” Mann keine Probleme hat, weil er in der Lage zu sein hat, Schwierigkeiten alleine zu lösen. Nach außen zeigte sich Jim immer zuversichtlich und stark. Doch in ihm drin sah das oft ganz anders aus. Zur Entspannung trank er abends immer öfter und immer mehr Bier. Einen anderen Ausgleich hatte er nicht mehr. Seiner Frau gefiel das immer weniger und schließlich drohte sie mit Trennung. Vor zwei Jahren zog sie schließlich aus. Die Trennung ging ihm sehr nahe und er kam auch nicht damit zurecht, dass ihn nach der Arbeit ein leeres Haus erwartete. Jetzt ging er immer öfter in die Kneipe um die Ecke und trank Bier - im Verlauf der Zeit immer mehr, später auch Schnaps. Wenn er dann ein gewisses Pensum an Alkohol erreicht hatte, fing er an, mit der Kneipenwirtin über seine Probleme zu sprechen. Eigentlich tat ihm das gut. Es hat zwar nichts an der Situation geändert, aber es hat ihn doch sehr erleichtert. Er fühlte sich auch nicht mehr ganz so allein mit seiner Misere. Doch im nüchternen Zustand erzählte er selbstverständlich keinem etwas von seinen Problemen. Er war ja der Meinung, dass er die selbst lösen muss, auch wollte er anderen keine Schwächen von sich zeigen. Das warf nun wieder eine neue Frage auf:
Jim fragt sich nämlich: “Warum rede ich (nüchtern) nicht mit jemandem, wenn´s mir nicht so gut geht, wieso ist es eigentlich eine Schwäche Probleme zu haben oder auch einmal etwas nicht so gut zu können?” Ich höre anderen doch auch zu und helfe gerne mit Rat und Tat, wenn ich kann. Außerdem fragt er sich: “War es denn eigentlich wirklich notwendig mich derart zu überarbeiten? Und - vor allem - war es sinnvoll? Muss ich wirklich der “Alleskönner” sein? Muss ich denn immer perfekt sein oder zumindest so wirken? Was habe ich davon? Wurde ich dadurch in der Firma denn wirklich unverzichtbar? Wurde meine Arbeitsleistung wirklich besser? Hat mich meine Frau dafür etwa mehr geliebt? Wäre ich denn wirklich ein Versager, wenn mich eine betriebsbedingte Kündigung treffen würde? Und was hat das alles letztlich aus meinem Leben und meiner Ehe gemacht?”
Jetzt wurde Jim nachdenklich. Ihm fiel ein, dass er früher seinem Vater nie etwas recht machen konnte. Was er auch tat, immer hatte der Vater noch etwas daran auszusetzen. Es war nie gut genug. Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit wollte er nie wieder haben. So begann er damit immer alles 1.000 %-ig zu machen, sich selbst immer noch x-mal zu kontrollieren, sich so umfassend wie möglich zu bilden um bei allem mitreden zu können und die passende Antwort parat zu haben. Er wollte nie wieder um eine Antwort verlegen sein oder etwa zugeben müssen, dass er etwas nicht oder, auch nur, nicht so gut kann.
Er beschloss, dass er genau daran etwas verändern möchte, denn er hat erkannt, dass ihm genau dieser übertriebene Perfektionismus geschadet hat und dass es außerdem weder möglich noch nötig ist, immer alles 1.000 %ig zu meistern. Er beginnt zunächst damit, mit seiner Vergangenheit aufzuräumen. Er erinnert sich an viele demütigende Situationen mit seinem Vater und vor allem auch an die negativen Gefühle, die er damals hatte. Mit seinem heutigen, erwachsenen Bewusstsein erkennt er aber, dass die damaligen Ansprüche seines Vaters weit überzogen waren und außerdem ganz andere Ursachen hatten, als Jims vermeintliches Versagen. Der Vater hatte nämlich selbst ein Problem. Beispielsweise musste er in der Vergangenheit gleich zweimal Konkurs anmelden.
Jim hat nicht nur erkannt, dass er sich in der Vergangenheit an zunehmend größere Mengen Alkohol gewöhnt hatte, sondern auch warum er so viel Alkohol getrunken hat. Nämlich, weil es auf Dauer zu anstrengend war, immer perfekt zu sein oder zumindest die ständig perfekte Fassade nach außen zu zeigen wenn er merkte, dass er den eigenen Ansprüchen längst nicht mehr gerecht werden konnte. Mit dem Alkohol gelang es ihm, von all dem einmal abzuschalten und auch einmal alle Fünf gerade sein zu lassen. Auch konnte er darüber reden wie es in ihm aussah. Er beschließt, auf den Alkohol zu verzichten. Der löst seine Probleme nicht. Das hat er auch erkannt.
Am einfachsten lässt sich das wieder durch ein Beispiel erklären. Sehen Sie sich dazu bitte die Geschichte von Jim unter der Frage “Was bedeutet Problembewusstsein”? an.
Jim beschließt nicht nur etwas zu verändern, sondern er tut es auch. Er beginnt damit, wieder Kontakt zu seinem alten Freund Tom aufzunehmen, er erzählt ihm seine Geschichte. Auch nimmt er wieder Kontakt zu anderen Bekannten auf. Hier lässt er jetzt durchblicken, dass er nicht der “Mr. Perfect” ist, für den ihn immer alle halten sollten. Er zeigt sich einfach menschlich, so wie er ist. Zu Alkohol sagt er: “Nein, danke. Ich trinke keinen Alkohol mehr. Ich möchte es nicht mehr”. Er erzählt auch mal von der angespannten Situation in seiner Firma, dass ihm das zu schaffen macht und dass er sich gar nicht so gut damit zurecht findet, alleine zu leben. Zu seiner Verwunderung merkt er, dass er mit seinen Problemen gar nicht alleine ist. Die anderen fangen auch an, über ihre Sorgen, auch bezüglich ihrer Arbeit zu reden. Er bemerkt aber auch, dass jeder auf seine Weise etwas anders damit umgeht. All das macht ihm Mut. Er beschließt, mit seinem Chef zu reden und sich Klarheit über die tatsächliche Gefährdung seines Arbeitsplatzes zu verschaffen. Auch will er mit ihm darüber sprechen, dass er nicht mehr so viele Überstunden machen kann und auch mal wieder Urlaub braucht. Vorher erkundigt er sich beim Betriebsrat über seine Rechte, den Kündigungsschutz, etc. Er macht diesen Termin mit dem Chef und spricht mit ihm ganz in Ruhe und vernünftig über all das. Der Chef findet all das nicht so toll, er ist an das hohe Arbeitspensum von Jim gewohnt.
Doch Jim setzt sich trotzdem durch. Er sorgt dafür, dass er wieder einen Freizeitausgleich hat, damit er sich erholen und entspannen kann (ohne Alkohol), er geht wieder regelmäßig mit Tom Squash spielen und er spielt nicht mehr jedem vor der Alleskönner und Alleswisser zu sein. Er zeigt´s auch mal wenn er nicht so gut drauf ist, sagt auch mal “ich weiß nicht” oder “das und das kann ich auch nicht.”
Außerdem besorgt er sich Zeitungen, in denen die Stellenangebote seiner Branche überwiegend ausgeschrieben werden, er meldet sich arbeitssuchend und schaut regelmäßig im Internet nach Alternativen. Auf Stellen, die in Frage kommen könnten, bewirbt er sich. Seine Erwartungen bezüglich einer neuen Stelle sind nicht allzu hoch, doch er weiß, dass er sich sagen kann, dass er das was in seinen Möglichkeiten steht, tut. Ein gutes, irgendwie beruhigendes Gefühl.
Er wird jetzt auch wieder eingeladen, trifft sich wieder öfter mit seinem alten Bekannten- und Freundeskreis. Hier hat er neulich ein sehr positives Feedback erhalten. Er sei viel lockerer geworden, nicht mehr so steif, so glatt und perfekt wie früher, sondern richtig menschlich.
Nach einer gewissen Zeit stellt Jim überrascht fest, dass er mittlerweile zwar bedeutend weniger arbeitet als früher, aber wesentlich effektiver. Auch kontrolliert er sich nicht mehr ständig selbst. Er kann sich jetzt sagen: “Gut ist gut genug. Auch ich bin nur ein Mensch. Ich kann nicht mehr tun und besser sein, als es mir meine Grenzen erlauben. Ich tue mein mir mögliches, doch Fehler und Schwächen sind unvermeidbar”. Er ist jetzt sogar konzentrierter, macht weniger Fehler, ist insgesamt viel ruhiger und souveräner als vorher. Die Arbeit macht ihm sogar wieder mehr Spaß. Das fiel neulich sogar dem Chef auf ...........
Zu einer Verhaltensänderung gehört also weit mehr, als die Änderung des Alkoholtrinkverhaltens. Jim hat beschlossen, Alkoholabstinent zu leben. Zu diesem Entschluss kam er aus zweierlei Gründen. 1. wollte er den Alkohol nicht mehr als Hilfsmittel benutzen, um über Probleme zu sprechen, vom Stress abzuschalten und sich einfach menschlich zu zeigen. 2. möchte er verhindern, dass er sich möglicherweise wieder an solch große Alkoholmengen gewöhnt. Das Risiko, dass aus einem Bier wieder drei, später 10 usw. werden, ist ihm zu groß. Er verzichtet lieber. Dieser Verzicht fällt ihm nicht schwer, denn mittlerweile geht es ihm bedeutend besser als früher. Die Anstrengung, die es gekostet hat, nach außen immer perfekt, allwissend und tadellos zu wirken, ist weggefallen. Er fühlt sich auch nicht mehr so alleine, denn er kann sich jetzt anderen mitteilen, über Probleme reden. Außerdem steckt er nicht mehr den Kopf in den Sand, sondern geht seine Probleme tatkräftig an. Warum also sollte er wieder zum Alkohol greifen? Er sieht keinen Grund.
Wie Sie sehen, braucht eine solche Veränderung seine Zeit. Das geht nicht innerhalb von wenigen Wochen. Das wissen auch die Gutachter.
Kann man anhand des Promillewerts nachvollziehen wie viel Alkohol ich am Tag meiner Alkoholauffälligkeit getrunken habe?
Ja, das geht!
Es gibt eine Formel, mit deren Hilfe man die Alkoholpromille berechnen kann:
g Alkohol
Alkoholpromille =
___________________
kg Körperflüssigkeit
Aufgrund dieser Formel und der Kenntnis über Alkoholabbau und -ausscheidung kann man auch auf die ungefähre Alkoholtrinkmenge schließen, wenn der Promillewert bekannt ist.
Um die Formel ausrechnen zu können, brauchen Sie folgende Informationen:
Die tatsächlich enthaltende Alkoholmenge des jeweiligen alkoholischen Getränks (`= Volumenprozent Alkohol)
Die Trinkmenge in einer festen, berechenbaren Größe
Die Menge an Körperflüssigkeit
Das spezifische Gewicht von Alkohol.
Zu 1: Volumenprozente sind immer auf dem Flaschenetikett angegeben.
Zu 2: Man geht von folgenden Standardgrößen aus:
Bier:
0,2 Liter-Glas (200 Kubik-cm)
Wein:
0,1 Liter-Glas (100 Kubik-cm)
Sekt:
0,1 Liter-Glas (100 Kubik-cm)
Schnaps:
0,02 Liter-Glas( 20 Kubik-cm)
Zu 3: Der Flüssigkeitsgehalt unseres Körpers hängt von unserem Geschlecht und unserem Körpergewicht ab. Aber Achtung: Da sich der Alkohol nur auf die Flüssigkeit verteilt und nicht auf Fett, Muskeln und Knochen, müssen übergewichtige Menschen von ihrem Normalgewicht ausgehen. Untergewichtige Menschen müssen von ihrem tatsächlichen Gewicht ausgehen.
Männer haben einen Flüssigkeitsanteil von ca. 70% in ihrem Körper.
Frauen hingegen haben nur einen Flüssigkeitsanteil von ca. 60 % in ihrem Körper. Das liegt daran, dass Frauen einen etwas höheren Anteil an Fettgewebe haben, als Männer.
Zu 4: Alkohol hat ein spezifisches Gewicht von 0,8 g/l (ganz genau: 0,790 g/l), das heißt er ist etwas leichter als Wasser (Spez. Gewicht: 1,0 g/l).
Wie geht nun die Berechnung? Ganz einfach.
Hier ein einfaches Beispiel zur Berechnung des Promillewerts:Ein 80 Kilogramm schwerer Mann trinkt 2 Bier à 0,2 l (200 Kubik-cm). Sein Flüssigkeitsanteil beträgt: 70 % von 80 kg. In Bier sind 5 Vol. % Alkohol enthalten.Rechnung:70 % von 80 kg Körpergewicht = 56 kg Körperflüssigkeit. 5 % von 0,2 Liter (200 Kubik-cm) = 10 Kubik-cm = 8 g Alkohol. (8 g wegen des geringeren spez. Gewichts von Alkohol: 0,8 g/l).2 (Bier) x 8 (g Alkohol) = 16 g Alkohol.16 g Alkohol____________________ = 0,29 Alkoholpromille56 kg Körperflüssigkeit
In dieser Rechnung ist nun jedoch der Alkoholabbau noch nicht berücksichtigt!
Bereits mit dem ersten Schluck Alkohol beginnt die Leber ihre Arbeit und baut den Alkohol ab.
In 1 Stunde baut die gesunde Leber pro 10 kg Körpergewicht 1 Gramm Alkohol ab. Eine alkoholgewöhnte Leber baut den Alkohol schneller ab. Dies lässt sich jedoch nicht berechnen.
Unser 80 kg schwerer Mann baut also pro Stunde 8 g Alkohol ab.
Bei großen Alkoholmengen wird der Alkohol nicht nur von der Leber abgebaut, sondern außerdem über andere Wege aus dem Körper ausgeschieden. Das wird Resorptionsverlust genannt. Dabei wird ein Teil des Alkohols über die Nieren ausgeschieden, ein Teil über die Atmung, ein weiterer Teil über die Hautoberfläche. Auch vermischt sich der Alkohol im Magen und im Dünndarm mit Speisen, insbesondere Fett und geht hier eine chemische Verbindung ein, die Verseifung genannt wird.
Der Resorptionsverlust kann nicht genau berechnet werden. Er liegt zwischen 10 und 50 %. Das bedeutet, dass bei großen Alkoholmengen immer ein gewisser Prozentsatz abgezogen werden muss. Generell kann man sagen: Je größer die Alkoholmenge, desto größer der Resorptionsverlust.
Beispiel: Unser 80 kg-Mann trinkt in 5 Stunden 10 Bier à 0,2 l. = 2 Liter Bier.
Pro Stunde baut er 8 g Alkohol ab = 40 g Alkoholabbau.
Sein Resorptionsverlust liegt bei, sagen wir ca. 30% . Die Rechnung sieht wie folgt aus:
80 g Alkohol
-
40 g Alkoholabbau
=
40 g Alkohol
-
12 g (30 % Resorptionsverlust)
=
28 g Alkohol
:
56 kg Körperflüssigkeit
=
0,50 Alkoholpromille
Wie Sie sehen, kann ein Mann mit einem durchschnittlichen Normalgewicht von 80 kg ziemlich viel Alkohol trinken um auf einen relativ niedrigen Promillewert von 0,5 zu kommen. Immerhin 4 Flaschen Bier à 0,5 Liter in fünf Stunden. Ebenso könnte er - je nach Vol % - zwischen 10 und 15 Schnäpsen à 0,02 l oder knapp 1,5 Flaschen Wein trinken. Denn die darin enthaltenen Alkoholmengen sind ungefähr gleich. Bei einem geringeren Resorptionsverlust als 30 % hätte er selbstverständlich einen höheren Promillewert. Bei einem höheren Resorptionsverlust als 30 %, einen entsprechend niedrigeren.
Um auf einen Promillewert von 1,6 zu kommen, müsste derselbe Mann in 5 Stunden (Angenommener Resorptionsverlust: 30 %) 21 Bier (à 0,2 l), also etwa einen halben Kasten à 0,5 Liter-Flaschen oder ca. 30 Schnäpse (= 0,6 Liter) oder etwa 3 Flaschen Wein trinken.
Ganz anders sieht das nun bei einer Frau aus.
Beispiel: Eine Frau mit einem Normalgewicht von 50 kg trinkt dieselbe Alkoholmenge wie unser 80 kg-Mann in obigem Rechenbeispiel. Sie trinkt in 5 Stunden 10 Gläser à 0,1 l leichten Weißwein mit einem Alkoholgehalt von 10 Vol % (= 10 Gläser Bier à 0,2 l). Ihr angenommener Resorptionsverlust liegt ebenfalls bei 30 %.
Sie erinnern sich? Frauen haben nur 60 % Körperflüssigkeit.
60 % von 50 kg = 30 kg Körperflüssigkeit.
Der Alkoholabbau liegt bei 5 g Alkohol pro Stunde (genau genommen sogar etwas weniger als 5 g, wegen des höheren Fettgewebeanteils; aber lassen wir es der Einfachheit halber bei 1 g Alkoholabbau pro 10 kg Körpergewicht in einer Stunde).
Die Rechnung sieht wie folgt aus:
80 g Alkohol
-
25 g Alkoholabbau
=
55 g Alkohol
-
16,5 g (30 % Resorptionsverlust)
=
38,5 g Alkohol
:
30 kg Körperflüssigkeit
=
1,28 Alkoholpromille
Obwohl unser 80 kg-Mann und die 50 kg-Frau dieselbe Menge Alkohol getrunken haben; in derselben Zeit mit demselben Resorptionsverlust, ist die Differenz des Promillewertes erheblich!
Wie dem auch immer sei, eines steht fest: Es ist möglich anhand des Alkoholpromillewertes auf die ungefähre Alkoholtrinkmenge zu schließen.
Bei weitem nicht so viel, wie es allgemein geglaubt wird. In Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass ein hoher Prozentsatz alkoholabhängiger Menschen völlig “normale” Leberwerte hat! Das heißt, selbst bei chronischem Alkoholmissbrauch müssen die Leberwerte nicht zwangsläufig erhöht sein, sondern liegen häufig im Normalbereich.
Was sehen die Fachleute nun anhand der Leberwerte?
Wenn die Leberwerte erhöht sind und diese Erhöhung nicht krankheits- (z.B. Hepatitis) oder medikamentenbedingt ist, lassen die Werte den Schluss zu, dass die Leber alkoholtoxisch bedingt geschädigt ist. Das beinhaltet den Rückschluss auf chronischen, starken Alkoholmissbrauch.
Wenn die Leberwerte im Normalbereich liegen, sagt das für sich alleine genommen nur aus, dass die Leber vermutlich in Takt, also nicht geschädigt ist. Das beinhaltet jedoch nicht den Rückschluss auf einen moderaten, geringen Alkoholkonsum. Normale Leberwerte schließen eine Alkoholgewöhnung oder chronischen Alkoholmissbrauch nicht aus!
Die Leberwerte werden aussagefähiger wenn Sie einen Verlauf aufzeigen. Angenommen Ihre Leberwerte waren kurze Zeit nach der Verkehrsauffälligkeit alle im Normalbereich. Sie gehen von jetzt an regelmäßig alle 5 Wochen zu Ihrem Hausarzt und lassen die Leberwerte kontrollieren. Das machen Sie über einen längeren Zeitraum bis zum MPU-Termin. Möglicherweise gehen die Werte im Verlauf der Zeit immer weiter runter - obwohl sie ja bereits zu Beginn im Normalbereich lagen -. Der so genannte Normalbereich hat ja eine bestimmte Spanne: Von hoher Normalbereich bis niedriger Normalbereich. Ist also zu erkennen, dass die Leberwerte rückläufig sind, lässt das eher einen Rückschluss zu, nämlich: Sie haben vermutlich Ihren Alkoholkonsum reduziert, womöglich ganz aufgehört Alkohol zu trinken, deshalb wurden die Werte besser. Als Nachweis für die Alkoholabstinenz werden die Leberwerte nicht mehr herangezogen. Das geht ab sofort nur noch über ETG. Als Nachweis für das kontrollierte Trinken sollten Sie sich jedoch in jedem Fall Ihre Leberwerte kontrollieren lassen, denn in Verbindung mit Ihren geschilderten Einsichten und Veränderungen (s. Problembewusstsein und Verhaltensänderung) wird das ganz sicher positiv gewertet.
Aus diesem Grund ist es ratsam, die Leberwerte so frühzeitig wie möglich in regelmäßigen Abständen bis zum MPU-Termin kontrollieren zu lassen, wenn Sie sich für das kontrollierte Trinken entschieden haben.
Wie weise ich Alkoholabstinenz oder Drogenfreiheit nach?
Es gibt neue Bestimmungen in den Begutachtungsrichtlinien. Wer freiwillig auf Alkohol verzichtet, kann das nunmehr nur noch mit einem Abstinenzcheck, dem sogenannten ETG nachweisen. Das ist ein Test, der über Urinproben oder Haare vorgenommen wird und mindestens ein Jahr lang durchgeführt werden muss. Innerhalb dieses Jahres werden 6 Urinkontrollen durchgeführt. Der Nachweis über Leberwerte wird nicht mehr anerkannt. Wichtig ist, dass die Urinkontrollen von einer anerkannten MPU-Stelle vorgenommen werden. Nur das wird anerkannt. Alternativ zu den Urinproben kann auch eine Haaranalyse gemacht werden. Dabei kann allerdings der Alkoholverzicht nur über drei Monate nachgewiesen werden. Somit wären hierbei 4 Haarproben alle 3 Monate notwendig. Bei Promillewerten ab 2,5 oder wenn kontrolliertes Trinken nicht gelingt, empfiehlt sich in jedem Fall der Alkoholverzicht.
Drogenfreiheit wird ebenfalls über Urinproben, das so genannte Drogenscreening, oder eine Haaranalyse nachgewiesen. Der Zeitraum richtet sich nach dem vorhergehendem Konsum. Bei regelmäßigem, täglichen Konsum ist ein Nachweis über 12 Monate erforderlich. Bei gelegentlichem THC-Konsum kann ein Nachweis von 6 Monaten ausreichend sein.
Generell ist es empfehlenswert, sich bei der MPU-Stelle der eigenen Wahl über die empfohlene Dauer der Nachweise zu imformieren.
Warum wurde mir bei meiner MPU nicht geglaubt, dass ich normalerweise nur selten und wenig Alkohol trinke und nur an dem Tag meiner Verkehrsauffälligkeit so viel Alkohol getrunken habe?
Das liegt daran, dass es wissenschaftliche Studien gibt, in denen festgestellt wurde, dass Personen, die mit einer hohen Blutalkoholkonzentration ( > 1,6 Promille ) am Straßenverkehr teilnehmen, an den Konsum großer und nicht mehr kontrollierbarer Alkoholmengen gewöhnt sind. Diese Studien werden bei der Begutachtung zugrunde gelegt.
Eine Alkoholgewöhnung, von der eigentlich immer ausgegangen wird, kann aber nicht stattfinden, wenn jemand nur selten und in geringen Mengen Alkohol trinkt.
Die Gutachter verlassen sich auf diese statistischen Untersuchungsergebnisse - auf jeden Fall mehr, als auf Ihre eigenen Angaben, denn dafür gibt es keine statistisch untermauerten Belege - .
Selbst wenn Sie zweimal mit einem geringeren Promillewert als 1,6 aufgefallen sind - beispielsweise einmal mit 0,9 und einmal mit 1,1 Promille, wird eine Alkoholgewöhnung zugrunde gelegt. Denn in diesem Fall wird davon ausgegangen, dass Sie die Alkoholwirkung unterschätzten, also quasi nicht spürten. Denn anderenfalls - so wird angenommen - hätten Sie nicht am Straßenverkehr teilgenommen.
Warum reicht es nicht aus, wenn ich zukünftig einfach trinken und fahren trenne?
Da, wie oben bereits erwähnt, eine Alkoholgewöhnung zugrunde gelegt wird, müssten Sie dazu, für den Gutachter nachvollziehbar, darlegen können, dass Sie gelernt haben, Alkohol in geringen, kontrollierbaren Mengen zu trinken (s. Problembewusstsein, Verhaltensänderung). Das wird um so schwieriger, je höher Ihr Promillewert zum Zeitpunkt Ihrer Verkehrsauffälligkeit war. Denn es gibt wissenschaftliche Studien, in denen festgestellt wurde, dass die Rückfallquoten alkoholauffälliger Verkehrsteilnehmer um so größer waren, je höher die Blutalkoholkonzentration zum Zeitpunkt der Auffälligkeit war.
Hinzu kommen Studien über die physiologische Wirkung von Alkohol auf das Gehirn. Wenn eine Person häufig, viel Alkohol trinkt (Alkoholgewöhnung), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder mit Alkohol verkehrsauffällig wird. Wenn eine hohe Trinkmenge beibehalten wird, ist es kaum möglich, trinken und fahren zu trennen. Das funktioniert u. a. wegen der Alkoholwirkung auf das Gehirn nicht. Denn, wie bei dem Beispiel von Jim erklärt, setzt unser Verstand, unsere Logik, das Gedächtnis, das Bewusstsein für Regeln und Normen bei großen Alkoholmengen aus. In diesem Zustand hält Sie nichts und niemand davon ab, sich in´s Auto zu setzen (s. Beispiel Jim: “Warum habe ich mein Auto nicht stehen lassen”? ).
Seit 2009 lässt sich die MPU in Deutschland nicht mehr mit einem EU-Führerschein umgehen. Wenn Sie mit diesem Führerschein in Deutschland fahren ist das Fahren ohne Fahrerlaubnis.